„Sie sind der Experte für den Markt. Ich bin der Experte für den Wandel.“
Vor kurzem saß ich in einer Runde mit gestandenen Führungskräften – Ingenieure, Finanzexperten, Techniker. Die Stimmung war angespannt. Ein großes Projekt drohte zu kippen. Einer der Leiter schaute mich skeptisch an, als wollte er fragen: „Was wollen Sie uns über unsere Maschinen erzählen?“
Ich habe ihm damals folgendes geantwortet: „Meine Damen und Herren, Sie sind alle Führungskräfte in hochspezialisierten Gebieten. Niemand kennt Ihre Maschinen und Märkte so gut wie Sie. Ich werde Ihnen fachlich nicht reinreden. Aber mein Spezialgebiet ist das, was passiert, wenn Menschen ihre gewohnten Bahnen verlassen müssen. Damit setze ich mich jeden Tag auseinander. Sie vertrauen mir beim Change, ich vertraue Ihnen bei der Technik.“
Es wurde ruhig im Raum. Wir konnten arbeiten.
Warum erzähle ich das? Weil die meisten Projekte nicht an der Technik scheitern, sondern an einer falschen Diagnose.
Die falsche Medizin für das richtige Problem
Stellen Sie sich vor, Sie führen eine neue Vertriebssoftware ein. Ihr erster Gedanke ist wahrscheinlich: „Die Software ist komplex. Wir müssen die Leute schulen.“ Sie buchen Trainer, erstellen Handbücher, machen Webinare.
Drei Monate später nutzen die Mitarbeiter die Software immer noch nicht. Die Stimmung ist im Keller. Sie denken: „Haben die es immer noch nicht kapiert?“
Doch. Sie haben es kapiert. Sie wollen nur nicht. Sie haben ein soziales Problem mit einer fachlichen Lösung(Schulung) behandelt. Das ist, als würden Sie einen Beinbruch mit Aspirin heilen wollen.
Mein Navigations-Instrument: Die zwei Achsen

Um genau diesen teuren Fehler zu vermeiden, nutze ich in meiner Beratung ein Modell, das Projekte auf zwei Achsen einordnet. Ich nenne es meinen Kompass für Komplexität.
- Die inhaltliche Achse (Der Kopf): Wie schwierig ist das Thema fachlich?
- Die soziale Achse (Der Bauch): Wie emotional, politisch oder angstbesetzt ist das Thema?
Klingt simpel? Ist es auch. Aber die meisten Unternehmen ignorieren die zweite Achse komplett.
Ein Beweis aus der Praxis: Das „CRM-Desaster“
Lassen Sie mich von einem mittelständischen Kunden erzählen, nennen wir ihn die „Maschinenbau Müller GmbH“. Geschäftsführer Thomas rief mich an: „Harald, wir brauchen Change Management. Wir führen SAP ein und keiner zieht mit.“
Ich schaute mir das Projekt auf meinem Modell an.
Der erste Blick (Thomas‘ Sicht): Für Thomas war es ein reines IT-Projekt.
- Inhaltliche Komplexität: Hoch (viele Schnittstellen, neue Prozesse).
- Soziale Komplexität: Gering (dachte er zumindest, „ist ja nur ein Tool“).
- Seine Lösung: Er setzte auf Schulungen, Druck und Anleitungen.
Der zweite Blick (Meine Diagnose): Ich sprach mit den Vertrieblern. Die hatten keine Angst vor der Software-Maske. Sie hatten Angst um ihren Status. Das neue System machte ihre Kundenkontakte für alle transparent. Ihr exklusives Wissen war plötzlich in Gefahr.
- Inhaltliche Komplexität: Hoch.
- Soziale Komplexität: Sehr hoch (Machtverlust, Kontrolle, Angst).
Das Ergebnis: Thomas versuchte, ein hochemotionales Thema rein technisch zu lösen. Das musste scheitern.
Wir haben die Schulungen sofort gestoppt. Stattdessen haben wir moderierte Workshops angesetzt, in denen es nicht um Klicks ging, sondern um die neue Rolle des Vertriebs. Wir haben den „Bauch“ beruhigt, bevor wir den „Kopf“ gefüttert haben.
Erst als die Ängste ausgesprochen und geklärt waren, griffen die Schulungen wieder.
Fazit: Lassen Sie uns diagnostizieren, bevor wir operieren
Bevor Sie das nächste Budget freigeben, stellen Sie sich kurz meine zwei Achsen vor. Ist Ihr Problem wirklich, dass die Leute es nicht können? Oder ist da etwas anderes im Raum?
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie gerade eine Schulung, eine Mediation oder echtes Change Management brauchen: Rufen Sie mich an. Als Ihr Experte für den Wandel sorge ich dafür, dass Sie die richtige Medizin für Ihr Unternehmen wählen – während Sie sich weiter um Ihre Märkte kümmern.
