Karriereanker: Sicherheit / Beständigkeit
Verlässlichkeit, Stabilität, Planbarkeit – was diesen Anker ausmacht
Menschen mit dem Karriereanker Sicherheit / Beständigkeit streben nach einem stabilen und berechenbaren beruflichen Umfeld. Sie wünschen sich Verlässlichkeit in Bezug auf Aufgaben, Arbeitsplatz und Entwicklungsmöglichkeiten. Planungssicherheit, klare Strukturen und ein möglichst konstantes Umfeld sind für sie zentrale Kriterien ihrer beruflichen Orientierung.
Diese Menschen möchten nicht regelmäßig neue Risiken eingehen oder in von Unsicherheit geprägten Rahmenbedingungen arbeiten. Sie fühlen sich wohl, wenn sie langfristig planen können – sei es in Bezug auf ihren Vertrag, auf Perspektiven oder den täglichen Arbeitsablauf. Veränderung wird nicht grundsätzlich abgelehnt, doch sie wollen sie aktiv mitgestalten und vorbereitet begegnen.
Woran erkennen Sie diesen Karriereanker?
Typische Merkmale bei Menschen mit einem stark ausgeprägten Bedürfnis nach Sicherheit:
- Sie bevorzugen langfristige Arbeitsverhältnisse und stabile Rahmenbedingungen.
- Sie empfinden häufige Veränderungen als belastend und stressfördernd.
- Sie arbeiten gerne in klaren Strukturen mit eindeutigen Abläufen und Rollen.
- Sie hinterfragen Veränderungen kritisch und wünschen sich fundierte Begründungen.
Praxisbeispiele aus dem Führungsalltag
Beispiel 1: Eine Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen wurde im Zuge einer Reorganisation in ein neues Projektteam versetzt. Die neue Struktur war agil, die Rollen unklar. Erste Spannungen ließen nicht lange auf sich warten: Die Führungskraft zog sich zurück, wirkte unentschlossen und wenig engagiert. Im Coaching zeigte sich deutlich: Ihr dominierender Karriereanker ist Sicherheit. Erst als sie wieder in einem Umfeld mit klaren Erwartungen und stabilen Abläufen arbeitete, übernahm sie mit neuer Energie Verantwortung.
Beispiel 2: Eine erfahrene Sachbearbeiterin, die über Jahre mit hoher Zuverlässigkeit im Finanzbereich eines Konzerns tätig war, wurde in ein crossfunktionales Team versetzt. Neue Tools, wechselnde Ansprechpartner und häufige Umstrukturierungen verunsicherten sie zunehmend. Erst durch ein Gespräch mit ihrer Führungskraft, in dem klare Zuständigkeiten und Erwartungen vereinbart wurden, gewann sie das Gefühl der Sicherheit zurück – und rief ihre Leistung wieder zuverlässig ab.
Selbstreflexion für Führungskräfte
Wenn Sie merken, dass Sie Veränderungen nur dann mittragen, wenn sie gut vorbereitet und nachvollziehbar sind – und dass klare Strukturen Ihnen Sicherheit geben –, dann ist dieser Anker vermutlich stark bei Ihnen ausgeprägt.
Fragen zur Selbstreflexion:
- In welchen beruflichen Situationen fühlen Sie sich sicher – und in welchen nicht?
- Wie reagieren Sie auf unklare Rollen oder sich verändernde Zuständigkeiten?
- Welche Strukturen helfen Ihnen, produktiv und zufrieden zu arbeiten?
- Wie gehen Sie mit kurzfristigen oder überraschenden Veränderungen um?
Führungskräfte mit diesem Anker handeln überlegt, planen vorausschauend und sind verlässliche Partner in Veränderungsprozessen. Sie schaffen stabile Strukturen und fördern Orientierung im Team. Gleichzeitig besteht das Risiko, notwendige Veränderungen hinauszuzögern oder Unsicherheit auf andere zu übertragen. Hier ist eine bewusste Balance entscheidend.
Blick auf Ihre Mitarbeitenden
Achten Sie auf Teammitglieder, die dann besonders gut arbeiten, wenn sie in einem klar definierten Rahmen agieren – mit festen Aufgaben, verlässlichen Prozessen und einer stabilen Führung. Sie benötigen Sicherheit durch Struktur, Transparenz und klare Kommunikation.
Beispiel aus der Praxis: Ein junger Kollege im IT-Team zeigte zu Beginn wenig Eigeninitiative. Erst als er in ein Projekt mit klar definierten Rollen und eindeutigen Schnittstellen eingebunden wurde, blühte er auf. Heute zählt er zu den zuverlässigsten Leistungsträgern im Team – weil er sich auf seine Umgebung verlassen kann.
Menschen mit diesem Anker reagieren sensibel auf häufige Umbrüche. Sie benötigen Zeit und gute Information, um sich an neue Situationen anzupassen. Unternehmen können sie binden, indem sie verlässliche Prozesse gestalten, transparente Kommunikation pflegen und ein Gefühl von Sicherheit im Wandel vermitteln.
Mein Praxisblick als Coach
Ich habe immer wieder erlebt, wie befreiend es für Mitarbeitende ist, wenn ihr Bedürfnis nach Sicherheit nicht als Schwäche, sondern als Stärke erkannt wird. Menschen mit diesem Anker stabilisieren Teams, halten Abläufe am Laufen und sorgen für Kontinuität. Sie bringen Ruhe in dynamische Umfelder – vorausgesetzt, ihre Grundbedürfnisse nach Klarheit und Struktur werden respektiert.
Mein Tipp: Veränderung braucht Sicherheit. Schaffen Sie Orientierung, bevor Sie Neues einführen – denn Stabilität ist kein Widerspruch zur Veränderung, sondern deren Fundament.