Dezember Check-in: Drei Fragen, um sich als Führungskraft neu auszurichten
Ein Moment zwischen den Jahren – kein klassischer Jahresrückblick, sondern eine Einladung zur Orientierung und Klarheit.
Der Dezember ist ein besonderer Monat für Führungskräfte. Er markiert nicht nur das Jahresende, sondern auch einen natürlichen Übergang: Projekte kommen zum Abschluss, Ziele werden neu definiert, Prioritäten sortieren sich. Und gleichzeitig entsteht ein Raum, der im hektischen Alltag selten so spürbar ist wie jetzt – ein Raum für Reflexion.
Vor einigen Wochen sagte ein Führungsteam in einem Workshop zu mir: „Wir sind gerade so tief in der operativen Arbeit, dass wir kaum noch sehen, wo wir eigentlich hinwollen.“ Dieser Satz ist sinnbildlich für viele Führungskräfte im Dezember. Die Geschwindigkeit des Jahres hinterlässt Spuren – und gerade deshalb lohnt sich ein bewusster Check-in.
Der Dezember ist keine Pause – er bündelt vielmehr die Erfahrungen und Eindrücke des Jahres wie ein Brennglas und macht sichtbar, was sonst leicht übersehen wird. aber er ist ein Brennglas. Er zeigt, was wichtig war, was noch offen ist und was sich verändern möchte.
Warum ein Dezember Check-in für Führungskräfte so wertvoll ist
Leadership bedeutet nicht nur Entscheidungen zu treffen, sondern sich selbst immer wieder auszurichten. Gerade im Dezember, wenn Energie und Aufmerksamkeit oft zwischen Rückblick, Abschluss und Planung pendeln, hilft ein bewusstes Innehalten, die eigene Führung wieder klarer zu spüren.
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie Führungskräfte im Dezember tiefer reflektieren können als zu jedem anderen Zeitpunkt des Jahres. Die besondere Mischung aus Rückschau und Erwartung erzeugt Offenheit – und die Möglichkeit, das eigene Führungsverhalten zu schärfen.
Bevor die konkreten Schritte sichtbar werden, zeigt ein guter Dezember Check-in, wie hilfreich eine klare innere Standortbestimmung sein kann. Er unterstützt dabei – insbesondere dann, wenn Führungskräfte bewusst innehalten, um Klarheit über Haltung und Prioritäten zu gewinnen:
- überflüssigen Ballast abzuwerfen
- verdeckte Bedürfnisse sichtbar zu machen
- Entscheidungen bewusster zu treffen
- Richtung und Fokus für das neue Jahr zu finden
Und er beginnt mit drei einfachen, aber kraftvollen Fragen.
Die drei Fragen des Dezember Check-ins
1. Welche Erfahrungen aus diesem Jahr stärken mich als Führungskraft – und welche Erkenntnisse nehme ich mit?
Der Blick zurück ist kein Selbstzweck. Oft erzählen mir Führungskräfte, dass ihnen genau dieser Moment hilft, Muster zu erkennen – wie etwa eine Entscheidung, die zunächst Unsicherheit auslöste, sich später jedoch als richtungsweisend erwies. Er macht sichtbar, was funktioniert hat – und warum. Welche Situationen haben Sie getragen? Welche Entscheidungen waren mutig, richtig oder lehrreich? Welche Begegnungen haben Sie inspiriert?
Diese Frage lenkt den Fokus bewusst auf Ressourcen statt auf Defizite.
Wirkung: Sie stärkt Selbstbewusstsein, Klarheit und den eigenen Führungsanspruch.
2. Was belastet mich noch – und was möchte ich bewusst hinter mir lassen?
Zum Jahresende trägt jeder von uns Themen mit sich – und Führungskräfte können diesen Prozess unterstützen, indem sie sich bewusst Zeitfenster schaffen, Notizen machen oder kurze Reflexionsgespräche mit vertrauten Personen führen,, die Energie binden: ungelöste Konflikte, Erwartungen, Erfolgsdruck, unerledigte Aufgaben. Diese Frage lädt dazu ein, Ballast abzulegen – innerlich und manchmal auch ganz praktisch.
Hier geht es nicht um das schnelle „Abhaken“, sondern um eine ehrliche Betrachtung: Was brauche ich nicht mehr? Was hat seine Bedeutung verloren? Was darf bleiben, was darf gehen?
Wirkung: Befreit, ordnet und schafft emotionalen Raum für Neues.
3. Wohin möchte ich meine Führung im kommenden Jahr entwickeln – und was ist mein erster Schritt?
Diese Frage richtet den Blick nach vorne. Sie ermöglicht, Prioritäten zu setzen, Ziele zu schärfen und bewusst zu entscheiden, welche Führungshaltung im neuen Jahr gestärkt werden soll.
Ob Zusammenarbeit, Kommunikation, Delegation oder strategische Klarheit: Jede Führungskraft hat Themen, die wachsen wollen. Die wichtigste Frage lautet dabei nicht „Was alles?“, sondern: „Was zuerst?“
Wirkung: Sie schafft Richtung, Verbindlichkeit und den Startpunkt für eine bewusste, wirksame Führung im neuen Jahr.
Ein Blick in die Praxis
Letzten Dezember begleitete ich eine Führungskraft, die sich zwischen operativem Druck und strategischen Anforderungen verloren fühlte. Am Ende unseres Gesprächs sagte sie: „Ich wusste gar nicht, wie sehr mir dieser Blick nach innen gefehlt hat.“ Im Check-in wurde sichtbar, dass zwei Dinge besonders belasteten: das ständige Gefühl von Reaktivität – und das Fehlen eines klaren Fokus.
Durch die drei Fragen entstand plötzlich Orientierung. Man konnte förmlich spüren, wie Anspannung wich und ein Gefühl von Ruhe und innerer Sortierung zurückkehrte. Die Führungskraft erkannte, welche Stärken sie durch das Jahr getragen hatten, welche Erwartungen sie loslassen durfte – und welchen ersten Schritt sie im Januar gehen würde: eine klare Priorisierung der eigenen Führungsfelder.
Die Veränderung war spürbar. Im Januar startete sie mit mehr Ruhe, Klarheit und innerer Orientierung.
Der Dezember als Beginn – nicht als Abschluss
Viele betrachten den Dezember als Schlusspunkt. Doch moderne Führung fordert etwas anderes: die Fähigkeit, Übergänge aktiv zu gestalten und bewusst zu nutzen. Doch für die Führung ist er oft das Gegenteil: ein Anfang. Ein Moment der inneren Neuordnung, der Weichenstellung, der bewussten Entscheidung.
Führung braucht beides: Rückblick und Ausblick, Loslassen und Neuausrichten, Klarheit und Mut.
Ein Dezember Check-in schafft genau diesen Raum.
Ich freue mich darauf, auch in diesem Jahr Führungskräfte zu begleiten, die diesen Moment nutzen – für sich, für ihr Team und für ihre Wirksamkeit im neuen Jahr.
