Warum eine Rede nicht reicht – so holen Sie Ihr Team wirklich ab
Es ist Januar. Der Kaffee im Konferenzraum riecht schon etwas abgestanden, die Luft ist verbraucht. Vorne steht der Geschäftsführer und klickt auf Folie 23 seiner Präsentation: „EBIT-Ziele Q3 2026“. Er spricht mit Leidenschaft. Er brennt für diese Zahlen. Aber wenn man in die Gesichter der 50 Mitarbeiter im Raum blickt, sieht man kein Feuer. Man sieht höfliches Nicken, vereinzeltes Gähnen und den heimlichen Blick aufs Smartphone.
Kommt Ihnen das bekannt vor?

In meinen über 25 Jahren als Führungskraft und Coach – von Konzern bis zum Mittelstand – habe ich sehr viele solcher Jahresauftakt-Veranstaltungen erlebt. Die meisten folgen einem festen Drehbuch: Rückblick (wir waren gut, aber müssen besser werden), Ausblick (die Ziele sind ambitioniert) und Appell (wir schaffen das nur gemeinsam). Danach gibt es Schnittchen.
Das Problem dabei: Information ist keine Transformation.
Wenn Sie das Jahr 2026 nicht nur verwalten, sondern gestalten wollen, reicht eine Rede nicht. Sie brauchen mehr als Folien. Sie brauchen echte Klarheit und Resonanz.
Hier erfahren Sie, warum klassische Kick-offs oft verpuffen und wie Sie Ihr Team dieses Mal wirklich „on fire“ bekommen.
Die Illusion der Zustimmung
(Ein Praxis-Beispiel)
Lassen Sie mich von Thomas erzählen (Name geändert), einem Geschäftsführer aus dem Maschinenbau, den ich vor kurzem gecoacht habe. Thomas war frustriert.
„Harald“, sagte er zu mir, „ich habe beim letzten Jahresauftakt alles gegeben. Ich habe die Strategie glasklar erklärt. Ich habe die Vision an die Wand geworfen. Am Ende habe ich gefragt: ‚Sind wir alle an Bord?‘ Alle haben genickt. Und drei Wochen später? Nichts. Der gleiche Trott, die gleichen Widerstände, keine Energie.“
Was Thomas erlebt hat, nenne ich die „Illusion der Zustimmung“. Nur weil Menschen schweigen, heißt das nicht, dass sie zustimmen. Meistens sind sie einfach nur überwältigt von Zahlenkolonnen oder fühlen sich ohnmächtig. Eine Präsentation ist eine Einbahnstraße. Sie sendet, aber sie empfängt nicht.
Führung braucht aber Dialog. Gerade wenn 2026 wieder Veränderungen anstehen – sei es durch KI, neue Marktbedingungen oder interne Umstrukturierungen – müssen Sie die Menschen dort abholen, wo sie emotional stehen. Nicht dort, wo Ihre Excel-Tabelle endet.
Warum „Tschakka“ nicht funktioniert
Viele Unternehmen versuchen dann das Gegenteil: Sie buchen einen teuren Motivationsredner, der eine Stunde lang „Tschakka“ ruft. Die Stimmung steigt kurzfristig, aber am Montagmorgen ist der Effekt verpufft.
Warum? Weil Motivation nicht von außen kommt. Sie entsteht durch Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit. Mitarbeiter wollen wissen:
- Warum tun wir das eigentlich? (Sinn)
- Welche Rolle spiele ich dabei? (Wirksamkeit)
- Wie gehen wir miteinander um, wenn es schwierig wird? (Haltung)
Ein erfolgreicher Jahresauftakt 2026 muss diese drei Fragen beantworten. Und zwar nicht durch Monologe, sondern durch Erleben.
4 Schritte für einen Jahresauftakt, der wirkt
Wie machen wir es also besser? Wenn ich Unternehmen bei der Konzeption und Moderation von Strategie-Tagen begleite, nutzen wir oft folgende Struktur:
1. Radikale Ehrlichkeit statt „Alles super“
Beginnen Sie nicht mit den Erfolgen. Beginnen Sie mit der Realität. Was hat 2025 nicht funktioniert? Wo haben wir uns verrannt? Nichts schafft mehr Vertrauen als eine Führungskraft, die sich hinstellt und sagt: „Da habe ich mich geirrt.“ Das öffnet die Ohren für das, was danach kommt.
Mein Tipp: Machen Sie eine „Fuck-up Wall“. Lassen Sie Führungskräfte kurz erzählen, was sie letztes Jahr gelernt haben – durch Fehler. Das nimmt die Angst und schafft eine Lernkultur.
2. Das „Warum“ hinter den Zahlen
Zahlen sind Ergebnisse, keine Ziele. Niemand steht morgens gerne auf, um den „Shareholder Value um 3,5% zu steigern“. Übersetzen Sie Ihre Ziele für 2026 in Geschichten. Was bedeutet unser Ziel für den Kunden? Welches Problem lösen wir dieses Jahr besser als letztes Jahr?
Die Übung: Streichen Sie 50% Ihrer Folien. Ersetzen Sie jedes Diagramm durch ein Bild oder eine Kunden-Geschichte, die zeigt, worum es wirklich geht.
3. Vom Konsumenten zum Produzenten (Interaktion)
Das ist der wichtigste Punkt. Lassen Sie Ihr Team nicht zwei Stunden sitzen. Aktivieren Sie die Schwarmintelligenz. Nachdem die Strategie vorgestellt wurde, drehen wir den Spieß um. In moderierten Workshops (z.B. World Café oder Breakout-Sessions) erarbeiten die Mitarbeiter:
- „Was bedeutet diese Strategie für mein Team?“
- „Was müssen wir aufhören zu tun, um das zu erreichen?“
- „Welche Unterstützung brauchen wir?“
Plötzlich sind sie keine Zuhörer mehr, sondern Mitgestalter. Das erzeugt Verbindlichkeit („Commitment“).
4. Haltung erlebbar machen
Strategie ist wichtig, aber Kultur isst Strategie zum Frühstück. Wenn Sie sagen „Wir wollen mutiger werden“, dann müssen Sie Mut im Raum spürbar machen. Ich nutze hierfür gerne Elemente aus meiner Teamsimulation ACT!. Wir stellen das Team vor eine kleine, lösbare Aufgabe unter Zeitdruck. Wie kommunizieren sie? Wer übernimmt Führung? Das macht mehr „Klick“ im Kopf als zehn Folien über „Agiles Mindset“.
Fazit: Nutzen Sie den Jahresauftakt als Leuchtturm
Der Jahresauftakt 2026 ist Ihre Chance, den Ton für die nächsten 12 Monate zu setzen. Verschwenden Sie diese wertvolle Zeit nicht mit Frontalbeschallung.
Nutzen Sie den Tag, um Klarheit zu schaffen.
- Klarheit über die Richtung.
- Klarheit über die Rollen.
- Klarheit über die Haltung.
Wenn Ihre Mitarbeiter nach Hause gehen und sagen: „Endlich habe ich verstanden, wo wir hinwollen und warum meine Arbeit dabei wichtig ist“, dann haben Sie alles richtig gemacht.
Planen Sie gerade Ihren Jahresauftakt oder Ihre Strategie-Tage? Es ist noch nicht zu spät, aus einer Pflichtveranstaltung ein echtes Highlight zu machen. Als externer Moderator sorge ich dafür, dass Sie nicht nur senden, sondern Ihr Team wirklich erreichen.
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